Das Event
Am 25. Juli 2025 trafen sich in Dortmund Entscheider aus Wirtschaft und Verwaltung, Forschende sowie Web3-Pioniere zu einem ganztägigen Blockchain-Event – vom morgendlichen Grundlagenblock über einen Community-Deep-Dive am Nachmittag bis hin zu Open-Air-Kino und Networking am Abend. Veranstaltungsort war der Projektspeicher Dortmund (Speicherstraße 33). Das Ziel der Veranstaltung? Das Thema Blockchain und Web3 verständlich, greifbar darzustellen und ein menschliches Netzwerk zusammenzubringen
Das Konzept
Das Konzept „Ein Tag mit allem drin“ zahlte direkt auf diesen Anspruch ein. Unternehmen bekamen vormittags eine kompakte Einführung in Technologie und Nutzen, am Nachmittag vertiefte die NFT-Community konkrete Umsetzungsfragen, und abends beim Kino unter freiem Himmel ging der Dialog nahtlos ins Netzwerken über. Die Mischung brachte Verwaltung, Mittelstand und Tech-Community an einen Tisch – Barrieren runter, Austausch rauf.
Praxisnähe
Warum das wichtig ist? Die Blockchain-Technologie ist längst mehr als Krypto-Hype. Wenn Technologie praxisnah erklärt, echte Anwendungsfälle gezeigt (s.a. Blogbeitrag vom 05. Oktober 2021) und kritische Fragen zugelassen werden, entsteht die Grundlage für tragfähige Projekte – genau das lieferte die ALL IN ONE Vol. 1.
Aus den Vorträgen
Blockchain kompakt – verständlich statt verkopft
Der Tag startete mit „Blockchain kompakt“: das Projekt DUH-IT erklärte Schritt für Schritt die Funktionsweise – ideal für Teams, die Orientierung suchen und wissen wollen, an welcher Stelle in ihren Prozessen Blockchain Mehrwert schafft. SOLV3 öffnete anschließend den Blick „Behind the Scenes“ und zeigte, wie Web3-Projekte aus Dortmund konzipiert und umgesetzt werden. Das Fraunhofer IML wiederum veranschaulichte, wie Blockchain als Enabler für digitale Nachweisführung in der Praxis funktioniert – vom manipulationssicheren Beleg bis zur revisionssicheren Prozesskette.
Use Case 1: NFTs zur UEFA EURO 2024 – von der Idee zum komplexen Projekt
Achim Hepp präsentierte, wie eine zunächst einfache NFT-Idee für die Host City Dortmund im Kontext der EURO 2024 zur anspruchsvollen, grenzüberschreitenden Umsetzung wurde. Dabei standen vor allem politische Hürden, technische Herausforderungen und die Koordination über Staatsgrenzen hinweg im Fokus – am Ende ein konkretes Beispiel für den Einsatz von NFTs im öffentlichen Sektor.
Für mich persönlich ein sehr interessanter Beitrag, da ich selbst einige UEFA Euro 2024 NFTs gemintet hatte und als RWA (Real-World Assets) einen streng limitierten Fanschal zur Euro 2024 erhalten habe.
Ein wichtiger take away: Öffentliche Projekte sind nie rein technisch. Governance, Recht, Kommunikation und Akzeptanz entscheiden mit. Wer früh Stakeholder einbindet, interoperabele Standards wählt und Pilotphasen sauber aufsetzt, erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich.
Use Case 2: Erinnerungen als digitale Assets – 3MEMBER.ME
Christian Hoffmeister stellte 3MEMBER.ME vor: Events, Kunst und Community werden als kollektive digitale Erinnerungen (Collective Assets) neu gedacht – ein Ansatz, der Zugehörigkeit und Beteiligung im Web3 zusammenführt. Transparent angesprochen wurden auch die Herausforderungen hinter skalierbaren Web3-Geschäftsmodellen: von Nutzermehrwert und UX (User Experience) bis zu Compliance und Nachhaltigkeit.
Ein wichtiges Statement wiederholte Christian an diesem Tag einige Male. Einfach machen und den Leuten das Web3 mit einer niedrigen technischen Hemmschwelle schmackhaft machen. Man muss nicht unbedingt die Blockchain-Technologie in allen Tiefen verstehen, aber man kann sie effektiv nutzen. Egal ob Laie oder Profi.
Zusätzlich verteilte er sein Buch TOKENIZED, welches einen tollen Ratgeber für Business-Use Cases im Web3 darstellt.
Industrie-Realität statt Buzzword-Bingo
Aus seinem umfassenden Erfahrungsschatz stellte Chris Chrizzable einige spannende funktionierende Praxis-Use Cases vor. Wo vielerorts noch über DLT (Distributed Ledger Technologie) diskutiert wird, liefern Industrieunternehmen wie Siemens und VW bereits konkrete Anwendungen. Drei Felder stechen hervor: CO₂-Zertifikate (transparente Nachverfolgung und Handel), Lieferketten (lückenlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit) und maschinennahe Abrechnung (automatisierte Pay-per-Use-Modelle). Der deutsche Mittelstand testet und skaliert – vom Piloten zur produktiven Lösung.
Sein Appell an die Zuhörer:
Startet mit einem konkreten, messbaren Anwendungsfall (z. B. CO₂-Nachweis oder Teile-Rückverfolgung), definiert KPIs (Zeit-to-Proof, Auditkosten, Reklamationsquote), und baut dann modulartig aus. So bleibt die Governance beherrschbar, und der Business-Case wird belastbar.
Das Finale
Zum Abschluss stellte sich ein Experten-Panel bestehend aus Achim Hepp, Christian Hoffmeister und Chris Chrizzable der Kernfrage: „Muss jedes Unternehmen auf die Blockchain – und welche Lösungen lohnen sich wirklich?“ Stimmen aus Industrie, Tech und Beratung diskutierten offen, kritisch und lösungsorientiert. Ein zentrales Thema war „Ownership im Web3“: Was bedeutet echtes Besitz- und Nutzungsrecht, und was passiert, wenn Infrastrukturanbieter offline gehen, etwa bei Insolvenz oder Betriebseinstellung aufgrund des Alters? Wie steht es da etwa um steuerrechtliche oder handelsrechtliche Aufzeichnungspflichten bis hin zur Archivierung und Lesbarkeit? Dieser Blickwinkel zwingt dazu, Architektur- und Betreiber-Risiken von Beginn an mitzudenken. Sollte aber nicht ein Hemins für coole Use Cases werden.
Folgende Leitplanken wurden den Entscheidern im Publikum als Hausaufgaben mitgegeben
1. Problem vor Technologie. Definiert zuerst den Geschäfts- oder Compliance-Pain. Wenn klassische Datenbanken genügen, ist Blockchain Overkill.
2. Governance-first. Rollen, Rechte, On-/Offboarding, Key-Management, Service-Level – schriftlich, verbindlich, testbar. Was, wenn ein Node ausfällt oder ein Provider vom Netz geht?
3. Interoperabilität & Standards. Setzt auf gängige Protokolle und prüft früh die Portabilität von Daten und Token.
4. Security & Compliance by Design. Von DSGVO bis Audit-Trail – Compliance ist Pflicht nicht Kür.
5. Messbarer Nutzen. Legt KPIs fest (z. B. Audit-Zeit ↓, Fehlerquote ↓, Erlöse ↑) und verprobt sie in kurzen Iterationen.
Mein Fazit
Die ALL IN ONE Vol. 1 zeigte eindrucksvoll: Blockchain, digitale Identitäten und Tokenisierung sind in deutschen Unternehmen bereits heute Realität, nicht Zukunftsmusik. Wer Use Cases klug auswählt, Governance ernst nimmt und Nutzern echten Mehrwert bietet, wird die Technologie produktiv tragen – vom Pilot bis in die Fläche. Ich freue mich schon auf die VOL. 2.